Autor: daniel.koehne

  • Meschede „inspiriert“ sich

    Meschede feiert am 21. September den „Tag der Nachbarschaften“. Hört sich gut an – denn hilfsbereite Nachbarn sind schließlich unbezahlbar! Initiiert wird die Aktion durch die „Mescheder Stadtgespräche“ hinter denen sich – meines Wissens – das „Lokale Bündnis für Familie“ verbirgt, welches wiederum durch den Fachbereich Generationen, Bildung und Freizeit der Stadt Meschede koordiniert wird.

    Dennoch hätte ich von diesem Termin vermutlich keine große Notiz genommen, möglicherweise wäre die Veranstaltung meinerseits sogar völlig unbemerkt geblieben. Wenn da nicht dieses Foto gewesen wäre, welches bereits bei flüchtiger Betrachtung meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Der Anblick des darauf abgebildeten Flyers, der den „Tag der Nachbarschaften“ bewirbt, welcher derzeit offenbar stadtweit verteilt wird, machte mich stutzig. Denn die darauf abgebildete Silhouette der Mescheder Stadtkirche „St. Walburga“ kam mir direkt verdächtig vertraut vor.

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    Frappierende Ähnlichkeit im direkten Vergleich: Die Webseite der Mescheder Sozialdemokraten (oben) und der Flyer zum „Tag der Nachbarschaften“ in Meschede (unten).

     

    Ein Blick auf den von mir vor Jahren gestalteten Webseiten-Kopfbereich der Mescheder Sozialdemokraten lieferte mir die Gewissheit, derer es meinerseits eigentlich schon nicht mehr gebraucht hatte. Die Ähnlichkeit der beiden Silhouetten ist frappierend!

    Nun habe ich natürlich nicht das alleinige Recht zur Darstellung von St. Walburga gepachtet – auch nicht als Silhouette. Aber die Art und Weise der Darstellung ist schon sehr speziell. So speziell, dass ich mich noch heute sehr genau an die verschiedenen Entwürfe erinnere, die ich damals erstellt habe. Tatsächlich handelt es sich bei dieser – finalen – Variante um eine nicht sehr realistische, da leicht verschobene, Perspektive der Kirche; dennoch lässt sich Letztere imho sehr gut erkennen.

    Angesichts dessen scheint es eher Gewissheit, als bloßer Verdacht zu sein: Hier hat sich der/die verantwortliche Gestalter/in des Flyers offensichtlich der schnellen Copy&Paste-Variante und der praktischen Nachzeichnerfunktion eines professionellen Vektorprogramms bedient. Denn die Silhouette auf dem Flyer entspricht bis ins kleinster Detail meiner „Original“version. Meschede „inspiriert“ sich. Gute Nachbarn sind unbezahlbar – faire übrigens auch.

  • Typologie des Parteimenschen

    Ein nicht ganz ernst gemeinter Einblick in das Innenleben einer beliebigen Partei…

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    Seltenes Bild: Jäger und Sammler, Idealist und Treibgut vereint.


    Die Jäger und Sammler.

    Überlebensnotwendig für jede Partei. Man findet sie bevorzugt in den höheren Etagen. Und wenn sie dort noch nicht sein sollten, sammeln sie sich dort hin. Pöstchen hier, Pöstchen dort. Gleichzeitig jagt und vertreibt man ohne Unterlass die potenzielle Konkurrenz. Für diese Gruppierung sind Politik und Partei lediglich Mittel zum Zweck. Man definiert sich über die Menge der angehäuften Funktionen und Mandate. Ihr Ego wächst mit der Menge der angehäuften Funktionen. Hört sich bitter an, ist aber ein Muss. Denn mit solchen Leuten kann man Wahlen gewinnen.

    Die Idealisten.
    Eine Rarität und zugleich die unbequemste Gattung der Parteimenschen. Sie bilden sich nicht nur ihre eigene Meinung, sondern vertreten diese auch – in dem für die Partei ungünstigsten Fall sogar in der Öffentlichkeit. Das Verhältnis zwischen Partei und Idealisten ist daher immer schon schwierig und stellt zuweilen für beide Seiten eine Belastungsprobe dar. Viele Idealisten durchlaufen mehrere Beziehungsphasen mit ihrer Partei bis die Frustrationsgrenze überschritten ist. Dann sind sie weg.

    Das Treibgut.
    Die Basis jeder erfolgreichen Partei. Sie sind die angenehmste Gruppierung. Weitestgehend unauffällig und unkritisch. Gleichzeitig aber treue Wahlmaschinen und Beitragszahler. In Zeiten günstigen Windes wird jede Menge Treibgut angespült. Der Haken: Ab da muss man als Partei die Wogen ganz flach halten, um das gestrandete Material auch möglichst lange halten zu können. Denn wenn die See zu stürmisch wird, reißt sie oft auch große Mengen des Treibgutes weg.

  • Den Vogel abgeschossen

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    Vogel, abgeschossen. © Daniel Köhne

    Wenn dem gemeinen Sauerländer etwas heilig ist, dann ist es sein Schützenfest. Ein Fest mit viel Pils, Blaskapelle, Uniformen, Hofstaat und natürlich einem König. Letzterer wird traditionell über den – mehr oder weniger – gezielten Abschuss eines hölzernen Vogels ermittelt. Nun handelt es sich dabei nicht um ein einfaches Stück Holz, welches irgendwie an ein Vogelvieh erinnern würde. Nein, der Schützenaar ist der Stolz eines jeden Vereins, ein prachtvoll geschnitztes und bemaltes Werk Sauerländer Handwerkskunst von stattlicher Größe. Und genau da drohte ein Problem: Eine neue Richtlinie des Bundesinnenministeriums sah vor, dass die Schützenvögel in Zukunft schrumpfen sollten – auf einen maximalen Baumumfang von 80 Milimenter. Unerhört! Lächerlich!

    Der Aufschrei unter den Sauerländer Schützenvereinen war – verständlicherweise – entsprechend laut. Prompt richtete die Junge Union gemeinsam mit CDU-Frontmann Sensburg eine Protestseite auf Facebook ein, der sich in kürzester Zeit hunderte von empörten Sauerländern anschlossen. Man sammelte eifrig Fotos der schönsten Schützenvögel, in trauriger Erwartung darauf, dass man sich zukünftig mit einer lächerlichen Miniaturausgabe an der Vogelstange begnügen müsse. Parallel dazu hieften die Hofberichterstattungsorgane der Konservativen das Thema nahezu tagtäglich auf die lokalen Titelseiten. Das „Happy End“ kündigte sich schließlich durch ein illustres Gruppenfoto mit südwestfälischen CDU-Granden, Mutti und einem stolzen Holzvogel an: Der Sauerländer Schützenaar erhält Bestandsschutz! Basta!

    Nun hatten die Autoren beim Verfassen der sogenannten Schießstandrichtlinie mit Sicherheit nicht die Sauerländer Schützenfeste im Blick. Bezogen auf die Volksfeste im Land der tausende Berge wäre die Regelung unzweifelhaft auch ziemlich überflüssiger Blödsinn gewesen – keine Frage. Dennoch ist es doch erstaunlich, wie perfekt die mediale Skandalisierung des Themas gelang. So perfekt, dass der Eindruck entstehen könnte, die ganze Sache sei lediglich eine inszenierte Kampagne für die anstehende Bundestagswahl gewesen. Wenn dem so sein sollte, muss man der CDU neidlos gratulieren: Operation Schützenadler geglückt! Soviel Engagement und Aufmerksamkeit würde man sich zweifellos auch einmal für Sauerländer Themen wünschen, die mindestens genauso wichtig sind – wie wär’s mal mit einer Operation Fracking, Schule oder ÖPNV…?

  • Ich will Meer: Einmal Norderney und zurück

    In unregelmäßigen Abständen packt es mich: Ich will raus ans Meer. Und damit meine ich nicht unbedingt, dass ich mich in der Sonne am Strand flezen will. Wellen, Wind und Möwen reichen völlig aus. Leider klappt das nicht immer. Meistens hat man keine Zeit, manchmal ist es zu teuer. In diesem Winter musste es einfach sein.

    Von Münster aus ist man – verglichen mit dem Sauerland – dem Meer schon ein kleines Stück näher. Nach einem kurzen Distanzcheck auf der Karte ist schnell klar, dass der schnellste Weg ans Meer über Ostfriesland an die Nordsee führt. Die Dollart-Gegend und diversen Siel-Örtchen entlang der Küste mögen zwar ganz nett sein, kamen aber nicht wirklich in Frage: zuwenig Meer. Mehr Meer findet man auf den ostfriesischen Inseln. Die Fähranbindungen über Emden, Norddeich oder das niederländische Eemshaven sind grundsätzlich gut, nur nicht unbedingt in der winterlichen Nebensaison. Und so fiel die Wahl schließlich auf Norderney.

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    Durchatmen im Winter.

    Der Plan: Freitagmorgens anreisen, Meer inhalieren und am späten Sonntagnachmittag gemütlich zurück ins Münsterland. Die – zugegeben etwas spontane – Zimmersuche am Montagabend gestaltete sich einfacher als gedacht. Das Angebot war überschaubar – denn von November bis Weihnachten ist klassische Urlaubszeit auf der Insel. Allerdings nicht für Insel-Touristen, sondern die ansässigen Hoteliers und Gastronomen. Auf meine Anfrage per E-Mail reagierte das Staatsbad Norderney prompt am frühen Dienstagmorgen. Nach einem kurzen, freundlichen Telefonat war das Doppelzimmer reserviert.

    Freitagmorgen, gegen acht Uhr, ging’s dann los in Richtung Norddeich. Die Autofahrt von Münster schafft man bequem in etwa 3 Stunden und ohne Navi: Über die A31 geht’s immer geradeaus hinauf bis nach Emden. Dort kann man – sofern der Zeitplan noch passt – in der strategisch günstig gelegenen FastFood-Filiale einen kurzen Kaffee-Stopp einlegen. Anschließend kurvt man weiter quer durch Ostfriesland bis Norden-Norddeich.

    Alternativ bietet sich ab Münster auch die Fahrt mit der Bahn an. Dank der angebotenen Direktverbindung dauert das auch nicht länger als mit dem Auto und im Ticketpreis ist die Überfahrt mit der Fähre bereits enthalten – theoretisch. Praktisch hätten wir allerdings aufgrund von Bauarbeiten doppelt so lange benötigt – keine Option.

    Die (kostenpflichtigen) Großraum-Parkplätze der Reederei sind nicht zu übersehen und liegen unmittelbar am Fährhafen. Es gibt zwar einen Shuttlebus, auf den man aber getrost verzichten kann – sofern man nicht gehkrank ist. Man kann das Auto auch mit auf die Insel nehmen, das aber ist teuer und für die meisten Urlauber sinnfrei. Autolos kostet die Überfahrt mit der Reederei Frisia keine 20 Euro – hin und zurück. Die Tickets kann man direkt vor Ort kaufen.

    Einmal an Bord, stellt sich Urlaubsgefühl ein, so dass ich die Überfahrt zur Insel nicht wirklich zur Anfahrt rechnen würde. Zumindest war es so auf der Hinfahrt, denn die Fähre war nur spärlich belegt, das Personal entsprechend entspannt. Bei Rückfahrt am Sonntagnachmittag war das Schiff allerdings proppevoll, die (trockenen) Sitzplätze Mangelware und die Crew beim Versuch innerhalb der knapp einstündigen Fahrt möglichst viele Getränke und Snacks abzusetzen, spürbar gehetzt.

    Bei der Ankunft auf Norderney erwartete uns ein Wettermix aus Sonne und Schneeschauern. Und schon wenige Minuten später setzte uns einer der am Hafen bereitstehenden Shuttlebusse in der Nähe unserer Unterkunft ab. Die war definitiv kein Reinfall, liegt zentral im Ort und bis zur Strandpromenade sind es nur wenige Augenblicke zu Fuß. Das Gästehaus Rass hat Charme. Eine Mischung aus alten Dielen, farbenfroher Möblierung und familiärer Atmosphäre. Bequeme Betten und ein leckeres Frühstück im Wintergarten inklusive – was will man mehr?

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    Wenig Menschen, viel Meer: Der Norderneyer Nordstrand im Dezember.

    Und was macht man im Winter auf so einer Insel? Strandspaziergänge und Kaffeetrinken. Den optimalen Zeitpunkt für den Wechsel von draußen nach drinnen, hat man schnell raus. Abends geht’s zum Fischessen. Die Restaurantauswahl im Winter ist nicht so groß, wie in der Hauptsaison – viele haben zu. „Das kleine Fischrestaurant“ um die Ecke allerdings nicht. Das war tatsächlich klein, Fischsuppe und Co schmeckten aber klasse.

    Zugegeben: In der Hochsaison wäre Norderney vermutlich nicht mein Ding. Die Strände taugen zweifelsohne für alle erdenklichen Strandaktivitäten. Doch angesichts der real existierenden Hotelburgen möchte ich mir noch nicht einmal vorstellen, welche Horden von Menschen auf so einer Insel gleichzeitig Platz finden können. Das war im Winter kein Problem. Weitestgehend menschenleere Strände.

    Das dem so ist, liegt natürlich auch am Wetter. An der Nordsee kann das Klima rau sein, gerade im Winter. Man muss das mögen und sich darauf einstellen: Gute Bekleidung ist alles! Wind- und wasserdichte Schuhe, Hose und Jacke sollten es schon. Warme Pullover und Socken sind sicher auch nicht verkehrt. Und statt einem Regenschirm (nutzlos bei Wind und den gibt’s genug), sollte man besser eine Mütze einpacken.

    Norderney im Winter? Gut zu erreichen, viel Meer, viel Ruhe und durchaus bezahlbar. Wiederholung nicht ausgeschlossen!

    Mehr Norderney-Bilder bei flickr

  • Bye bye Sauerland…

    …hallo Flachland! Die Küche ist einsatzbereit, Bett und Kleiderschrank sind aufgebaut und das (mobile) Internet geht auch schon. Nach einigen anstrengenden Umzugstagen heißt meine neue Heimat Münster. Wobei: So reibungslos wie dieser, lief bislang noch kaum ein Umzug. Die ortsinternen Wohnungswechsel eingerechnet, ist es ja auch schon mein 10. (!) – so langsam scheint also Routine in die Sache zu kommen…

    Umzüge nerven trotzdem. Und wenn es nur die (meist) unvermeidliche Wohnungssuche im Vorfeld ist. Zumindest in den Städten sieht man sich dabei mit folgenden Problemen konfrontiert: Erstens, es gibt wenig Wohnraum, aber viele Leute die solchen suchen. Zweitens, die freien Wohnungen werden immer teuer – die Nebenkosten selbstverständlich sowieso. Drittens, ohne Makler läuft fast nichts mehr auf dem Wohnungsmarkt.

    Meine „Highlights“ und Erfahrungen aus diversen Zwischenstationen und Wohnungsbesichtigungen, u.a. in Frankfurt am Main, Siegen und Münster:

    – „Tages“licht kann durchaus auch durch vergitterte Kellerschächte einfallen
    – Kellerraum + Estrich + Teppichreste ergeben ein „Wohnzimmer“
    – ein „Frankfurter Bad“ war zu Beginn des 20. Jahrhunderts purer Luxus
    – Plastikwanne + Gartenschlauch aus dem Baumarkt ergeben eine „Dusche“
    – eine funktionierende Spülmaschine ist in Wohngemeinschaften ein „Must-have“
    – der Besitz von Kindern, Haustieren und Musikinstrumenten ist ein Ausschlusskriterium
    – Wohngemeinschaften mit mehr als einer weiblichen Person bedeuten zu 99% Stress
    – manche Wohnungen werden ausschließlich an katholische Junggesellen vergeben
    – Makler schließen zwar Haustüren auf, suchen einem aber keine Wohnung
    – auch die letzte Baracke lässt sich immer noch als „Wohnung“ vermieten

    Zum Thema „Makler“ könnte ich übrigens eine eigene Rubrik eröffnen. Passenderweise gab es jüngst im NDR-Magazin „Panorama“ einen Bericht zum Thema, der sich mit meinen eigenen Erfahrungen deckt…

    Aber nun, wat soll’s. Jetzt erst einmal in Münster ankommen!

  • Letzer Tankstopp vor’m Sauerland

    23.08.2012: 1,799 EUR für einen Liter Super (E5)Seit Tagen bewegen sich die Spritpreise einmal mehr in atemberaubenden Preisregionen. Wenn’s nicht unbedingt sein muss, lässt man das Auto also halt lieber mal stehen. Dumm nur, wenn man gerade in Münster auf Wohnungssuche ist. Ohne Auto, hat man da keine Chance. Und so kommt es, dass man sich bereits über “Schnäppchen-Preise”  von  1,699 für den Liter Super (E5) freut.

    Nachdem ich in diesem Jahr schon mehrfach traurige Rekordsummen für die Befüllung eines französischen Kleinwagens an der Tanke hinterlegen konnte, wurde ich ich gestern Abend auf dem Rückweg ins Sauerland von einem neuen Preisschock eiskalt überrascht:

    1,799 Super (E5)
    1,775 Super (E10)
    1,609 Diesel

    Gesehen (und bezahlt) an der BAB 46, Rastplatz Am Haarstrang, Fahrtrichtung Kassel. Und nun komme mir keiner damit, dass das Tanken entlang der Autobahnen doch eh teurer sei. Ist es nicht. Zumindest nicht unbedingt.

    Denn im HSK sind die Spritpreise stets auf besonders hohem Niveau, insbesondere in der Kreisstadt. Für Mescheder (Pendler) lohnt sich daher in der Regel ein Tankstopp außerhalb des Stadtgebietes. So zahlt man im Warsteiner Raum nicht selten zwischen 5 und 10 Cent weniger; ähnliches gilt für die Tankstellen in Bestwig und Nuttlar.

  • In eigener Sache: 5 Jahre Sauerland-Gedöns

    Sauerländer, was’n das?

    Nun, ein besonderer Typ Mensch. Er hockt, ackert oder rackert in einer hügeligen Landschaft, auch Sauerland genannt, mitten in Deutschland. Wenn er Schmacht hat, betritt er eins der zahlreichen Forstgebiete und erlegt ein Stück Wild. Wenn er Durst hat. und der gemeine Sauerländer hat das oft, labt er sich an heimischen Pilsbieren und genehmigt sich das ein oder andere Pinneken Korn. Der Sauerländer an sich beschränkt sich konversationsmäßig auf das absolut Notwendige. Aber wenn er was sacht, dann hängt er sein Lieblingswort dran, das „Woll!“, „Woll?“ oder „Woll?!“.

    schuetzenfestimsauerland

    Auch wenn er es gerne ruhig und beschaulich mag, feiern tut der Sauerländer dann doch. Aber natürlich auf eine ganz spezielle Art und Weise, auch „Schützenfest“ genannt. Das gibt’s in jedem Dorf. Dabei muss nicht viel geredet werden, denn im Vordergrund steht die Bekämpfung des ewig anhaltenden Durstes der Sauerländer. Ganz nebenbei, kürt man alljährlich auffem Schützenfest seinen Dorfhäuptling, auch König genannt. Der bekommt natürlich auch eine Frau anne Seite und ein paar Untertanen.

    Der Sauerländer an sich ist ein fleißiges Kerlchen (oder Frauchen). Er bestellt seine Äcker, mäht seine Weiden und kümmert sich liebevoll um sein Viecher. Außerdem hegt und pflegt er seine Fichtenmono- und Weihnachtsbaumkulturen, welche sich über die gefühlt (aber wohl nie gezählten) eintausend Hügel erstrecken. Und dann bemüht er sich noch um die Unterbringung, Bewirtung und Bespaßung der Gäste aussem Pott und der niederländischen Tiefebene, welche regelmäßig in langen Autokarawanen über die wenigen befestigten Wege in die beschauliche Mittelgebirgregion einfallen.

    Klamotten für’s Volk

    Mein erstes Sauerland-MotivNun, man könnte noch viel mehr erzählen. Man könnte aber auch Shirts, Pullis und anderes Gedöns daraus machen. Dachte ich mir so, im Frühjahr 2007, kurz nachdem der Orkan Kyrill im sonst so beschaulichen Sauerland gewütet hatte, und der Sturm so die Vorlage für mein erstes Sauerland-Motiv „Kyrillopfer“ lieferte. Die Ideen zu weiteren Sauerländer Motiven lieferten und liefern die wortkargen und etwas drögen Hügellandbewohner selbst. Und auch wenn zahlreiche Klischees bedient werden, das der humorfreien Hinterwälder hat sich nicht bestätigt. Denn, man staune, was 2007 ins Netz gestellt wurde, existiert 2012 immer noch, SAUERLANDSTYLE.com, der Internetladen für Sauerland-Freunde. Und, glaubt’s mir oder nicht, in den Jahren haben so einige Sauerland-Shirts neue Träger gefunden.

    Für mich stand und steht der Spaß im Vordergrund. Sauerländer Volksinitiative, Heimatblätter, Gruppenzwang? Brauche ich nicht. Ich konzentriere mich lieber auf neue Ideen und das Entwerfen von neuen Sauerland-Motiven, zumal mein Internetladen nach wie vor ein „One-Man-Projekt“ ist. Um so praktischer, dass es freundliche Menschen im tiefen Osten der Republik gibt, die einem die Arbeit mit dem T-Shirt Druck abnehmen. Ich freu mich immer noch darüber, wenn ich Menschen mit einem Sauerland-Shirt von mir, begegne. Ich find’s weiter klasse, wenn ich nette Rückmeldungen aus dem Sauerländer Völkchen erhalte oder die Sauerland-Touristiker lieber mit Hügelland-Shirts und -Autos unterwegs sind, als mit einem nullachtfünfzehn-Agenturdesign für die Massen.

    Und ich staune auch weiter über Situationen wie unlängst in der Mescheder Bücherstube meines Vetrauens. Als ich den Bericht über meinen kleinen Internetladen im Marco Polo Reiseführer Sauerland entdeckt habe. Aufdrängen mag ich mich nicht. Berichtet wurde auch ohne Pressearbeit, in der guten alten WR, im Focus Campus, im WDR-Lokalfernsehen. Und auch der dpa waren die Sauerland-Klamotten kürzlich eine Ticker-Meldung wert.

    Der Stand der Dinge: 75 Sauerland-Motive (zzgl. etlicher Sonderanfertigungen) in 5 Jahren. Der entfernteste Shirt-Besitzer lebt in Australien. Das außergewöhnlichste Sauerland-Shirt (bislang) war ein Heiratsantrag, der übrigens erfolgreich verlief.

    Gut is. Auf die nächsten 5 Jahre. Jetzt ein Pils. Prost!

    PS: Wem die töften Klamotten und Mitbringsel für Sauerland-Freunde gefallen, der darf auch hier mal vorbeischauen.

  • Der fiese Herr Rösler

    Keine Transfergesellschaft für die ehemaligen Schlecker-Frauen. Toll! Da hat sich die FDP aber mächtig profiliert. Von „freiem Markt“ säuselten die Liberalen und der feine Oberliberale findet eh, dass die Arbeitsagenturen auch mal wieder mehr Kundschaft brauchen. Sorry, aber mich regt dieser arrogante Typ auf. Permanent. Nicht erst seit gestern. Wann immer der seine brav auswendig gelernten Statements mit seinem einstudierten Dauerlächeln vor einer x-beliebigen Kamera runterspult.

    Es ist die eine Sache, ob man Bürgschaften, Subventionen und welche staatlichen Unterstützungen auch immer für die private Wirtschaft gut findet. Aber darum geht es hier eigentlich gar nicht. Auch wenn sich die Cheflobbyisten von der FDP öffentlich so geben. Für Banken und Hoteliers waren sie sich doch auch nicht zu schade. Aber die sind halt – angeblich – „systemrelevant“ oder bringen einem wenigstens ordentliche Parteispenden ein. Schlecker-Frauen dagegen haben halt keine Bank in den Ruin gezockt. Und überhaupt, wer von denen würde schon FDP wählen?

    Was man erleben durfte war wohl der liberale Showdown. Wenigstens einmal zeigen, dass man nicht nur der kleine Pinscher an Muttis kurzer Leine ist. Nein, man kann denen von der Union auch ans Bein pinkeln. Eine panische Kurzschlussreaktion auf das Wahlergebnis im Saarland. Der Möchtegern-Wirtschaftsminister Rösler als unkalkulierbares Risiko.

    Wer vor laufenden Kameras meint, eine Bürgschaft käme dem Steuerzahler zwangsläufig teurer als Arbeitslose, wer behauptet, dass Transfergesellschaft oder Arbeitsagentur für die Schlecker-Frauen keinen Unterschied machen, der beweist seine totale Ahnungslosigkeit oder Überheblichkeit. Natürlich gibt es einen Unterschied, schon finanziell. Aber das sind Sorgen, die dem liberalem Rudelführer offensichtlich fremd sind.

    Immerhin. Es gibt Hoffnung. Berechtigte Hoffnung darauf, dass sich diese FDP weiter der Nullmarke annähert. Das 1,2-Prozent-Ergebnis im Saarland war eindrucksvoll. Selbst die Familienpartei konnte so unterboten werden. Der gelbe Umfragebalken dürfte also bald frei werden. Denn da geht noch was. Nach unten.

  • Bahnhof Meschede: Nase zu und durch

    Der Heimatzeitung kann man jüngst entnehmen, dass der Mescheder Bahnhof unter den Lokführern als der gefährlichste entlang der Oberen Ruhrtalbahn gelte. Der Fachmann macht dafür einerseits die dürftige bis nicht vorhandene Absperrung des Bahnhofsareals und andererseits das mangelnde Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung verantwortlich:

    Viele vermeiden die Unterführung dort und laufen direkt von Bahnsteig 1 über die Gleise hinweg zum Bahnsteig 2. Es ist lebensgefährlich. (…) Er unterscheidet: „Junge Leute sind sich der Gefahr nicht bewusst, die sie hier eingehen. Bei den Älteren ist es immer Bequemlichkeit. Gemeinsam ist ihnen: Sie haben kein Unrechtsbewusstsein.“

    Mag sein. Aber vielleicht haben sie auch einfach keine Lust drauf, weil sie der Ekel überkommt. Denn so sieht die Unterführung bei guter (!) Witterung aus.

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    Der Mescheder Untergrund.

    Wenn man seine Körperöffnungen beim Durchschreiten dieses Blickfangs mitten in der Kreisstadt weitestgehend geschlossen hält, kommt man ganz gut durch. Dass sich dazu offenbar nicht alle im Stande sehen, zeigt das Foto nicht. Aber man riecht’s. Von daher: Nase zu und durch!

    Die schicken digitalen Anzeigetafeln der Bahn, die einen dann oberirdisch erwarten, sind ja ganz nett. Im Zeitalter der Smartphones kann man darauf aber auch irgendwie verzichten. Investitionen in die Unterführung und der Bau eines Aufzuges – das wäre mal was!

    Denn für viele potenzielle Bahnkunden, beispielsweise Rolli- und Rollatorenfahrer, stellen die Treppen am Mescheder Bahnhof bereits jetzt ein unüberwindbares Hindernis für die Fahrt in Richtung Dortmund oder Hagen dar. Da braucht’s gar keinen Zaun.

    UPDATE (09.07.2012)
    Der Mescheder Untergrund konnte sich übrigens unlängst über eine Sanierung in Form von weißer Farbe und Duftspendern freuen. Beweisfoto folgt – sofern bis dahin nicht schon wieder der alte Zustand erreicht wurde…

  • Nu isser weg

    In den letzten Wochen hatte ich – prüfungsbedingt – eine längeres Intermezzo mit Baudrillard, Brecht, Enzensberger, Jeanneney und Google, Kopierschutz, Urheberrecht und dem alten Marx, „dem Bösen“ und vielen anderen interessanten Persönlichkeiten und Phänomenen.

    Da blieb leider nicht viel Zeit für anderes. Und deshalb fand ich es auch sehr zuvorkommend vom Bundespräsi, dass er seinen Rücktritt solange hinausgezögert hat, bis ich live dabei sein konnte. Gut, im Nachgang kann man sagen: Man hätte nichts verpasst! Der 4-Minuten-Abgang des Staatsoberhaupts war nur weiterer Beleg für dessen Realitätsverlust oder Unverschäm… – nein, ich sag’s nicht. Ich will mich dazu nicht äußern. Andere haben das schon treffend getan.

    Bemerkenswert Erschreckend finde ich dagegen, dass diese Tränendrüsennummer zum Ende auch noch Wirkung zeigt. Die Kommentare unter den Berichterstattungen im Netz sprächen Bände. Speziell dem Sauerländer Völkchen scheint es der Interims-Präsident angetan zu haben. Anders kann ich die Ergüsse auf der Facebook-Seite des heimischen Radiosenders nicht deuten. Ich könnte mich dazu äußern, aber irgendwie lohnt es nicht. Ich lasse die nachstehende Auswahl einfach mal so wirken…