{"id":937,"date":"2015-01-24T16:47:59","date_gmt":"2015-01-24T15:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/?p=937"},"modified":"2015-01-24T16:47:59","modified_gmt":"2015-01-24T15:47:59","slug":"helgoland-im-winter-yeah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/helgoland-im-winter-yeah\/","title":{"rendered":"Helgoland im Winter. Yeah!"},"content":{"rendered":"<p>Gute 20 Minuten sp\u00e4ter als geplant wechseln wir bei Bremen von der A1 auf die A27 \u2013 weiter in Richtung K\u00fcste, sonst \u00e4ndert sich nix. Bereits vor gut 2 Stunden sind wir in M\u00fcnster bei ergiebigem Landregen direkt in den Stau gestartet.\u00a0 Jetzt sind es sind immer noch gute 100 Kilometer bis Cuxhaven \u2013 da darf nicht mehr viel dazwischen kommen. Denn unsere F\u00e4hre, die gleichzeitig die einzige des Tages ist, legt um 10.30 Uhr ab. Ziemlich genau um 10.10 Uhr biegen wir auf den Hafenparkplatz ein, wenig sp\u00e4ter stehen wir \u2013 absolut p\u00fcnktlich \u2013 vor dem Schiff mit dem merkw\u00fcrdigen Namen <em>MS Funny Girl<\/em>. Fahrtziel: <a href=\"http:\/\/www.helgoland.de\" target=\"_blank\">Helgoland<\/a>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1022\" aria-describedby=\"caption-attachment-1022\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1022 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012407.jpg\" alt=\"2015012407\" width=\"1070\" height=\"713\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1022\" class=\"wp-caption-text\">Helgoland in Sicht. Im Vordergrund der D\u00fcnenstrand mit Kegelrobben.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Deutschlands einzige Hochseeinsel ist im Winter nicht so komfortabel zu erreichen, wie man es von anderen Inseln entlang der deutschen K\u00fcste kennt. Nur eine <a href=\"http:\/\/www.cassen-eils.de\/\" target=\"_blank\">F\u00e4hrverbindung<\/a> am Tag \u2013 und manchmal noch nicht einmal das. Die Zahl der G\u00e4ste an Bord ist sehr \u00fcberschaubar. Eine einzige Servicekraft versorgt die Passagiere mit Getr\u00e4nken und Snacks. Kurz nachdem unsere \u2013 ziemlich spontane \u2013 Entscheidung f\u00fcr ein Winterwochende auf Helgoland fiel, habe ich allerlei Geschichten \u00fcber die mitunter anstrengende Anreise per Schiff gelesen. Stichwort: Fische f\u00fcttern. Daran muss ich nun zwangsl\u00e4ufig denken, als das P\u00e4rchen nebenan die bestellte Riesenportion Pommes Frites mit Currywurst futtert. Wir bleiben \u2013 vorsichtshalber \u2013 beim Br\u00f6tchen. Man wei\u00df ja nie.<\/p>\n<p>Rund 2 1\/2 Stunden dauert die \u00dcberfahrt von Cuxhaven aus. Im Vergleich zu den F\u00e4hrfahrten auf ostfriesische Inseln wie Norderney oder Borkum, schaukelt die <em>MS Funny Girl<\/em> von Beginn an recht ordentlich. Allerdings hatte der Wetterbericht auch auffrischenden Wind und f\u00fcr den Nachmittag sogar erste Sturmb\u00f6en vorhergesagt. Als wir gut eine Stunde auf See sind, nimmt der Wellengang dann noch einmal sp\u00fcrbar zu. Die nette Dame, die eben noch Fischbr\u00f6tchen und Kaffee verteilte, kontrolliert nun im Vorbeigehen und mit ge\u00fcbtem Blick die Verfassung der einzelnen Passagiere. Kommentarlos verteilt sie Spuckbeutel aus Papier an ausgew\u00e4hlte Personen. Wenig sp\u00e4ter kommt zum ersten Mal der knallgelbe Nass-Trocken-Sauger zum Einsatz. Wir verziehen uns nach drau\u00dfen an die frische Luft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1020\" aria-describedby=\"caption-attachment-1020\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1020 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012401.jpg\" alt=\"2015012401\" width=\"1070\" height=\"600\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1020\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf die markanten Buntsandsteinklippen von Helgoland \u2013 noch inklusive der einsturzgef\u00e4hrdeten Langen Anna.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kurz bevor Helgoland in Sicht ist, klart der Himmel auf und die Sonne l\u00e4sst sich blicken. Wenig sp\u00e4ter legt die <em>Funny<\/em> im S\u00fcdhafen an. Das ber\u00fcchtigte Ausbooten vor Deutschlands einziger Hochseeinsel entf\u00e4llt im Winter. Wir packen unseren Koffer und trotten den anderen G\u00e4sten hinterher. Unsere Unterkunft liegt im Oberland. Helgoland ist autofreie Zone \u2013 zumindest fast: Einige putzige Elektromobile gibt es schon. Aber schnell wird klar: die Insel ist so winzig, dass ein Verlaufen zum Ding der Unm\u00f6glichkeit wird. Das ist nun eigentlich ganz praktisch, denn so richtig gut informiert haben wir uns vorher nicht. Ein paar Infos von der Touristikzentrale und dann das <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!71652\/\" target=\"_blank\">Kontrastprogramm der <em>taz<\/em><\/a> \u2013 ein Zufallsfund bei der Internetkurzrecherche. Wir sind gespannt, welche Einsch\u00e4tzung zu Helgoland treffender sein wird.<\/p>\n<p>\u00dcber den<em> Lung Wai<\/em> latscht man an zahlreichen Duty-Free-Shops vorbei, direkt auf den Aufzug zu, der <em>Ober-<\/em> und <em>Unterland<\/em> der Insel miteinander verbindet. Die Fahrt kostet 60 Cent. Die 184 Treppenstufen gleich nebenan kosten nix, sind mit dem Koffer aber nicht zu empfehlen. Wir steuern in Richtung Kirchturm und stehen wenige Augenblicke sp\u00e4ter vor unserem kleinen Hotel. Die Begr\u00fc\u00dfung in den <em><a href=\"http:\/\/www.mocca-stuben.de\/\" target=\"_blank\">Mocca-Stuben<\/a><\/em> ist herzlich. Von Helgol\u00e4nder Unfreundlichkeit keine Spur. Ganz nebenbei weist Inhaber Stephan schon einmal darauf hin, dass am Wochenende wohl nicht mehr mit einer F\u00e4hre zu rechnen sei \u2013 es ziehe ein Sturm auf. St\u00f6rt uns nicht wirklich, wir wollten ohnehin bis Montag bleiben. Das Zimmer macht einen guten Eindruck \u2013 also geht&#8217;s direkt wieder raus, die Insel erkunden. Nach wenigen Metern stehen wir direkt vor dem Leuchtturm. Mit rund 28 Seemeilen Reichweite ist er das st\u00e4rkste Leuchtfeuer der deutschen K\u00fcste. Nat\u00fcrlich! Denn Helgoland ist auch ein bisschen die Insel der Superlative \u2013 dazu sp\u00e4ter noch mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1026\" aria-describedby=\"caption-attachment-1026\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1026 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012404.jpg\" alt=\"2015012404\" width=\"1070\" height=\"704\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1026\" class=\"wp-caption-text\">Der Radarturm sorgt bei Stum f\u00fcr eine permanente Ger\u00e4uschkulisse, die auf dem gesamten Oberland zu h\u00f6ren ist.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun sind wir erst einmal schwer beeindruckt \u2013 vom Blick auf die roten Klippen und die ber\u00fchmte <em>Lange Anna<\/em>. Und von der winderlichen Kulisse, denn die steife Brise hat l\u00e4ngst zu einem ordentlichen Sturm aufgefrischt. Das dunkelgr\u00fcne Wasser der Nordsee wird von wei\u00dfen Wellenk\u00e4mmen unterbrochen. Die Gischt der Brandung ist noch etwa 50 Meter weiter oben am Klippenrand zu sp\u00fcren. Ohrenbet\u00e4ubend pfeift der Radarturm, der ebenfalls auf dem Oberland installiert ist. Am Horizont wird die Sonne immer wieder von gewaltigen Wolkenformationen verdeckt.<\/p>\n<p>Danach geht&#8217;s wieder Richtung Unterland. P\u00fcnktlich zur Mittagszeit ruft der Hunger, ge\u00f6ffnet hat allerdings nur wenig. Auf Helgoland gelten noch historische Laden\u00f6ffnungszeiten. Man \u00f6ffnet sp\u00e4t, schlie\u00dft \u00fcber Mittag und hat nach 18 Uhr selbstverst\u00e4ndlich Feierabend. Das sorgt beim Stadtbewohner anfangs f\u00fcr Irritationen. Schnell wird aber klar, dass das auch eine Form von Entschleunigung sein kann. Und was sucht man sonst, mitten im Winter, auf Helgoland? Nach einem kurzen Snack im Unterland geht&#8217;s \u00fcber die Treppen zur\u00fcck nach oben. Die Insel wirkt fast wie ausgestorben. Viele L\u00e4den sind dunkel, auf den Stra\u00dfen begegnet man nur vereinzelt Menschen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1023\" aria-describedby=\"caption-attachment-1023\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1023 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012406.jpg\" alt=\"2015012406\" width=\"1070\" height=\"605\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1023\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Falm auf die Nordseeklinik im sogenannten Mittelland und den S\u00fcdhafen der Insel.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit einbrechender D\u00e4mmerung kehren wir im <em>Caf\u00e9 Krebs<\/em> ein, mit Panorama-Blick vom <em>Falm<\/em> \u00fcber auf die unruhige Nordsee. Viel los ist nicht, gerade einmal ein Gast schaut aus dem Fenster. Viel los war wohl auch in den vergangenen Tagen eher nicht, denn Inhaber Benno fragt uns zielstrebig nach der Anzahl der mitreisenden G\u00e4ste auf der F\u00e4hre aus. Auf unsere Antwort reagiert er mit einem eher ern\u00fcchternden Blick und leichtem Kopfsch\u00fctteln. Wir bestellen Kaffee, Tee und Eiergrog-Sahnetorte. Beim Servieren prohezeit uns Benno, dass aus unserer geplanten R\u00fcckreise am Montag sicher nichts wird, und \u00fcberhaupt: vor Weihnachten? Nur vielleicht. Beim Abendessen in den <em>Mocca-Stuben<\/em> erfahren wir, dass die F\u00e4hrverbindung f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen gestrichen ist. Der <em>Backsalt<\/em> \u2013 ein typisches Helgol\u00e4nder Fischgericht \u2013 schmeckt saulecker.<\/p>\n<p>Samstag. Bereits am Vorabend und in der Nacht hatte sich der aufziehende Sturm angek\u00fcndigt; der Radarturm &#8222;singt&#8220; seitdem ohne Unterlass. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck ist klar, dass aus dem eigentlich geplanten Ausflug auf die direkt vor Helgoland gelegene D\u00fcne nichts werden wird. Nicht nur f\u00fcr die <em>MS Funny Girl<\/em>, sondern auch f\u00fcr die D\u00fcnenf\u00e4hre <em>Witte Kliff<\/em> sind die Wellen der aufgew\u00fchlten Nordsee zu hoch. So bleiben die dort heimisch gewordenen Kegelrobben vorerst unter sich und die wenigen \u00fcbrigen Hotelg\u00e4ste weiter auf der Insel. Zwangsweise. Denn eigentlich wollte die kleine Gruppe aus Holland am Samstag abreisen. Nun hofft man auf den Sonntag.<\/p>\n<p>Wir entscheiden uns f\u00fcr kurzen Abstecher an das rote Bundsandsteinkliff. Man kann sich wortw\u00f6rtlich in den Wind legen, der einem ohrenbet\u00e4ubend um die Nase bl\u00e4st \u2013 f\u00fcr den Klippenrundweg um das <em>Oberland<\/em> ist es zu st\u00fcrmisch. Stattdessen geht&#8217;s am Leuchtturm vorbei ins Unterland, in Richtung Hafen und zu den <em>Hummerbuden<\/em>. Die bunten Holzh\u00e4uschen verbreiten ein wenig skandinavisches Flair auf Helgoland und sind ein beliebtes Fotomotiv. In der Hauptsaison gibt&#8217;s hier Fischbr\u00f6tchen, Getr\u00e4nke, ein wenig Kunst, Souveniers und anderen Tinnef.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1025\" aria-describedby=\"caption-attachment-1025\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1025 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012403.jpg\" alt=\"2015012403\" width=\"1070\" height=\"713\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1025\" class=\"wp-caption-text\">St\u00fcrmische See bei Windst\u00e4rke 9-10.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag geht&#8217;s erneut ins <em>Caf\u00e9 Krebs<\/em>. Eine Institution auf der Insel, wie wir mittlerweile wissen. Zwischen zahlreichen Schwarzwei\u00df-Fotografien an den W\u00e4nden, die unter anderem Kaiser und F\u00fchrer auf Helgoland zeigen, sitzt man auf einer Bestuhlung im Stil des ber\u00fcchtigten Gelsenkirchener Barocks und f\u00fchlt sich unmittelbar um ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit katapultiert. Unter der Decke h\u00e4ngt ein R\u00f6hren-TV mit Holzfurnier, mittendrin stehen Sahnetorten, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die brummende K\u00fchlung der Tortenvitrine unterbricht in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die im Hintergrund t\u00f6nende Mischung aus\u00a0 alten Schlagermelodien und Easy Listening. Ein Helgol\u00e4nder Original: Inhaber Benno Krebs, immer mit wei\u00dfem Schiffchen und Sch\u00fcrze bekleidet. Wenn er nicht gerade zwischen Caf\u00e9- und Ladenbereich hin und her wuselt und von alten Zeiten erz\u00e4hlt, macht er bei Pils, Bockwurst und Butterschnitte Mittagspause \u2013 mitten zwischen den G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Samstagnachmittag begeben wir uns in den Helgol\u00e4nder Untergrund. Die F\u00fchrung durch die verbliebenden Reste des gigantischen Bunkersystems soll ein echtes Highlight sein. Die F\u00fchrung ist dann auch tats\u00e4chlich ganz interessant. Vor allem wegen der pers\u00f6nlichen Geschichten und Anekdoten des Touristenf\u00fchrers, weniger wegen der vermeintlich beeindruckenden Zahl von Bombeneinschl\u00e4gen auf der Insel, die er ebenfalls pr\u00e4sentieren kann. Damit w\u00e4ren wir wieder bei den Superlativen. Die werden auf Helgoland tats\u00e4chlich exzessiv verwendet: Austragungsort der bislang gr\u00f6\u00dften nicht-nuklearen Sprengung. Nirgendwo sonst l\u00e4sst sich die besondere \u00c4sthetik der deutschen Nachkriegsarchitektur in einem derart geschlossenen Ensemble bewundern. Und nat\u00fcrlich ist man Deutschlands einzige Hochseeinsel. Obwohl Helgoland tats\u00e4chlich weder in der Tiefsee, noch in internationalen Gew\u00e4ssern liegt \u2013 man muss das nicht alles so genau nehmen. Am Abend gibt es wieder Fisch in den Mocca-Stuben. Lecker!<\/p>\n<p>Sonntag. Das Wetter hat sich deutlich beruhigt. Die F\u00e4hre kommt trotzdem nicht. Stattdessen wollen die anderen Hotelg\u00e4ste nun per Flugzeug von der Insel fl\u00fcchten. Die kleinen Propellermaschinen starten vom Flugplatz auf der benachbarten D\u00fcne; die F\u00e4hre dorthin soll zumindest am Nachmittag wieder fahren. Auf die Idee, statt der F\u00e4hre das Flugzeug zu nehmen, sind auch andere Inselurlauber gekommen. Nach einigem Hin und Her und mit etwas Gl\u00fcck ergattert die Gruppe aus den Niederlanden noch einige Restpl\u00e4tze. Der <a href=\"http:\/\/www.flughafen-helgoland.de\" target=\"_blank\">Flug zum Festland<\/a> dauert nur etwa 30 Minuten, ist aber etwa viermal so teuer wie die F\u00e4hrfahrt, Gep\u00e4ck kann nur begrenzt mitgenommen werden und angeflogen wird Bremerhaven \u2013 die Autos der F\u00e4hrpassagiere stehen aber in Cuxhaven.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1027\" aria-describedby=\"caption-attachment-1027\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1027 size-full\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012402.jpg\" alt=\"2015012402\" width=\"1070\" height=\"713\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1027\" class=\"wp-caption-text\">M\u00e4nnliche Kegelrobben k\u00f6nnen \u00fcber 2 Meter lang und bis zu 220 kg schwer werden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gegen Mittag steuern auch wir mit der kleinen D\u00fcnenf\u00e4hre r\u00fcber zum sandigen Teil von Helgoland. In den Sommermonaten ist die vorgelagerte Insel mit ihren Sandstr\u00e4nden das Badeparadies f\u00fcr Urlauber und Einheimische. Es gibt einen kleinen Campingplatz und Bungalows f\u00fcr diejenigen, die es noch etwas inseliger als auf Helgoland selbst m\u00f6gen. Im Winter ist die D\u00fcne dagegen vollkommen unbewohnt. Abgesehen vom Flugverkehr und den Robben, tummeln sich dann vor allem Tier-Fotografen auf dem Eiland. Denn zwischen November und Januar werfen die Kegelrobben ihren putzigen Nachwuchs \u2013 und n\u00e4her kommt man diesen beeindruckenden\u00a0 S\u00e4ugetieren vermutlich nirgendwo sonst in Deutschland.<\/p>\n<p>Montag. Die Sturmb\u00f6en sind zur\u00fcck. Erwartungsgem\u00e4\u00df f\u00e4llt die F\u00e4hrverbindung weiter aus. Mittlerweile sind wir die einzigen G\u00e4ste im Hotel. In der Nacht f\u00fchlt man sich ein bisschen wie im <em>Overlook-Hotel<\/em> aus Stephen Kings <em>Shining<\/em>. Wir haben zwar keinen meterhohen Schnee und auch viel weniger Platz, daf\u00fcr aber jede Menge Wind, der sich lautstark bemerkbar macht. Ob am Dienstag die F\u00e4hre kommt ist ungewiss. Am Mittwoch ist Heiligabend. Dann und am 25. Dezember kommt laut Fahrplan kein Schiff. Am Nachmittag \u00fcberlegen wir ernsthaft, f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle eventuell doch das Flugzeug zu nehmen. Weihnachten auf Helgoland zu verbringen w\u00e4re zwar keine Katastrophe, k\u00f6nnte im Hotel aber zum Verpflegungsproblem werden: Viele Restaurants haben \u00fcber die Weihnachtsfeiertage geschlossen.<\/p>\n<p>Dienstag. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck steht fest, was wir schon bef\u00fcrchtet hatten: Die F\u00e4hre kommt nicht, der Seegang ist zu hoch. Aber an Heiligabend soll es eine Sonderfahrt geben, schlie\u00dflich warten auf dem Festland noch zahlreiche Exil-Inselkinder, die Weihnachten bei der Familie auf der Insel verbringen wollen. Und auch die Windvorhersage stimmt optimistisch. Auf Helgoland ist der ungew\u00f6hnlich lange Ausfall der F\u00e4hrverbindung l\u00e4ngst zu <em>dem<\/em> Gespr\u00e4chsthema mutiert, nicht nur unter den G\u00e4sten. Auch die Insulaner warten auf das Schiff und vor allem Personen und Dinge, die es an Bord haben wird \u2013 vom Enkelkind, \u00fcber den Weihnachtsbaum bis zum G\u00e4nsebraten.<\/p>\n<p>Mittwoch, Heiligabend. Die F\u00e4hre kommt! Bis zum Fr\u00fchst\u00fcck war das noch nicht so sicher: Der Wind ist immer noch st\u00e4rker als vorhergesagt, die \u00dcberfahrt bei meterhohen Wellen sicher kein Fest f\u00fcr den Magen. Bei strahlend blauem Himmel geht&#8217;s gegen Mittag zur\u00fcck nach Cuxhaven und von per Auto weiter nach Hause.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1038\" aria-describedby=\"caption-attachment-1038\" style=\"width: 1070px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1038\" src=\"http:\/\/daniel-koehne.de\/mixtape\/mixtape\/wp-content\/uploads\/2015012408.jpg\" alt=\"Weihnachtspost an Bord \u2013 die MS Funny Girl an Heiligabend im S\u00fcdhafen von Helgoland\" width=\"1070\" height=\"605\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1038\" class=\"wp-caption-text\">Weihnachtspost an Bord \u2013 die MS Funny Girl an Heiligabend im S\u00fcdhafen von Helgoland.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Unser Fazit nach nach einem deutlich verl\u00e4ngerten Wochenende auf Helgoland: Wir w\u00fcrden wiederkommen! Denn tats\u00e4chlich haben wir ziemlich genau das bekommen, was wir uns erhofft hatten. Raues Nordseeklima und echtes Insel-Gef\u00fchl. Im Winter mit nur wenigen anderen G\u00e4sten auf Helgoland festzusitzen ist ein Erlebnis der besonderen Art \u2013 zumindest wenn man keinen akuten Termindruck hat. Deshalb sollte man besser 1-2 Tage Urlaubspuffer einkalkulieren, wenn man einen Insel-Aufenthalt zu den \u00fcblichen Sturmzeiten plant.<\/p>\n<p>Anders als eine taz-Reporterin, haben wir die unfreundlichen und ganzt\u00e4gig alkoholisierten Inselbewohner nicht erlebt \u2013 im Gegenteil. Gut m\u00f6glich, dass der Tagestourist im Hochsommer andersgelaunte Gastronomen und H\u00e4ndler erlebt \u2013 aber wo ist das nicht so? \u00dcber die Sch\u00f6nheit der Insel kann man sich streiten. Die Nachkriegsbauten geh\u00f6ren eher nicht dazu. Und nat\u00fcrlich findet man viel Beton. Aber das alles wirkt irgendwie sehr authentisch, ohne Schi Schi. Wirklich beeindruckend sch\u00f6n ist der Ausblick auf die offene Nordsee \u2013 wenn man am Rand des Sandsteinkliffs steht und am gesamten weiten Horizont kein Land zu sehen ist. Der Blick auf die tiefrote Lange Anna w\u00e4hrend eines Sonneuntergangs, das Erlebnis zwischen Robben am D\u00fcnenstrand spazieren zu gehen \u2013 damit punktet Helgoland.<\/p>\n<p>Wer Aktivit\u00e4ten sucht, sollte die Insel dagegen besser meiden \u2013 zumindest im Winter. Die Sehensw\u00fcrdigkeiten sind schnell erledigt, auch wenn es manche Kleinigkeit zu entdecken gibt, die den Tagestouristen in der Hauptsaison vermutlich entgehen. Beispielsweise die Bronzestatue von Hoffmann von Fallersleben, der auf der \u2013 seinerzeit noch britischen Insel \u2013 das Lied der Deutschen dichtete.\u00a0 Es bleiben: Spazierengehen, Kaffeetrinken, die Nase in den Wind halten, Robben ansehen, zollfrei einkaufen, leckeren Fisch essen, die Bunkerf\u00fchrung oder das Schwimmbad besuchen. Mit etwas Gl\u00fcck l\u00e4uft ein interessanter Film im Nordseekino. Das Aquarium dagegen ist Geschichte \u2013 wir geh\u00f6rten Ende 2014 zu den letzten Besuchern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dkoehne\/sets\/72157650417169211\/\" target=\"_blank\">Mehr Helgoland-Bilder bei\u00a0 flickr <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute 20 Minuten sp\u00e4ter als geplant wechseln wir bei Bremen von der A1 auf die A27 \u2013 weiter in Richtung K\u00fcste, sonst \u00e4ndert sich nix. 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