Schlagwort: Presse

  • Erst die Werbung, dann…

    …ja, was eigentlich dann? Über den Informationsgehalt der lokalen Meldungen auf DerWesten kann man sich streiten. Zum Beispiel darüber, ob das nun wirklich immer Nachrichten sind. Aber das ist ein anderes Thema. Auffällig ist, die WAZ- ääh… Funke-Gruppe kriegt das mit ihrem Onlineportal irgendwie nicht auf die Kette. DerWesten war und ist unübersichtlich, langsam und schlecht bedienbar. Von mobilen Ausgabegeräten und so will ich jetzt gar nicht anfangen.

    Dafür hat sich der Anteil von Werbung auf dem Portal in den letzten Jahren stetig erhöht. Oder ist das nur mein Empfinden? Aus allen Richtungen scrollen und poppen dem Besucher Werbebotschaften entgegen, mittendrin und darunter Texte und Fotos – wiederum kombiniert mit Verbraucherinformationen. Und heute der nächste Coup: Ein direkt vor den Topthemen platziertes Anzeigenbanner, das sich weder von selbst schließt, noch schließen lässt. Richtig, richtig clever…

    Magenta zuerst, Screenshot DerWesten
    Magenta zuerst, Screenshot DerWesten

    Keine Frage, so Portal muss finanziert werden. Wenn man nicht auf Bezahlinhalte setzen will oder kann, bleibt da fast nur das klassische Werbebanner. Trotzdem: Auf vielen anderen Seiten im Netz funktioniert das einfach ansprechender, übersichtlicher, besser.

  • Den Vogel abgeschossen

    vogelabgeschossen
    Vogel, abgeschossen. © Daniel Köhne

    Wenn dem gemeinen Sauerländer etwas heilig ist, dann ist es sein Schützenfest. Ein Fest mit viel Pils, Blaskapelle, Uniformen, Hofstaat und natürlich einem König. Letzterer wird traditionell über den – mehr oder weniger – gezielten Abschuss eines hölzernen Vogels ermittelt. Nun handelt es sich dabei nicht um ein einfaches Stück Holz, welches irgendwie an ein Vogelvieh erinnern würde. Nein, der Schützenaar ist der Stolz eines jeden Vereins, ein prachtvoll geschnitztes und bemaltes Werk Sauerländer Handwerkskunst von stattlicher Größe. Und genau da drohte ein Problem: Eine neue Richtlinie des Bundesinnenministeriums sah vor, dass die Schützenvögel in Zukunft schrumpfen sollten – auf einen maximalen Baumumfang von 80 Milimenter. Unerhört! Lächerlich!

    Der Aufschrei unter den Sauerländer Schützenvereinen war – verständlicherweise – entsprechend laut. Prompt richtete die Junge Union gemeinsam mit CDU-Frontmann Sensburg eine Protestseite auf Facebook ein, der sich in kürzester Zeit hunderte von empörten Sauerländern anschlossen. Man sammelte eifrig Fotos der schönsten Schützenvögel, in trauriger Erwartung darauf, dass man sich zukünftig mit einer lächerlichen Miniaturausgabe an der Vogelstange begnügen müsse. Parallel dazu hieften die Hofberichterstattungsorgane der Konservativen das Thema nahezu tagtäglich auf die lokalen Titelseiten. Das „Happy End“ kündigte sich schließlich durch ein illustres Gruppenfoto mit südwestfälischen CDU-Granden, Mutti und einem stolzen Holzvogel an: Der Sauerländer Schützenaar erhält Bestandsschutz! Basta!

    Nun hatten die Autoren beim Verfassen der sogenannten Schießstandrichtlinie mit Sicherheit nicht die Sauerländer Schützenfeste im Blick. Bezogen auf die Volksfeste im Land der tausende Berge wäre die Regelung unzweifelhaft auch ziemlich überflüssiger Blödsinn gewesen – keine Frage. Dennoch ist es doch erstaunlich, wie perfekt die mediale Skandalisierung des Themas gelang. So perfekt, dass der Eindruck entstehen könnte, die ganze Sache sei lediglich eine inszenierte Kampagne für die anstehende Bundestagswahl gewesen. Wenn dem so sein sollte, muss man der CDU neidlos gratulieren: Operation Schützenadler geglückt! Soviel Engagement und Aufmerksamkeit würde man sich zweifellos auch einmal für Sauerländer Themen wünschen, die mindestens genauso wichtig sind – wie wär’s mal mit einer Operation Fracking, Schule oder ÖPNV…?

  • Nu isser weg

    In den letzten Wochen hatte ich – prüfungsbedingt – eine längeres Intermezzo mit Baudrillard, Brecht, Enzensberger, Jeanneney und Google, Kopierschutz, Urheberrecht und dem alten Marx, „dem Bösen“ und vielen anderen interessanten Persönlichkeiten und Phänomenen.

    Da blieb leider nicht viel Zeit für anderes. Und deshalb fand ich es auch sehr zuvorkommend vom Bundespräsi, dass er seinen Rücktritt solange hinausgezögert hat, bis ich live dabei sein konnte. Gut, im Nachgang kann man sagen: Man hätte nichts verpasst! Der 4-Minuten-Abgang des Staatsoberhaupts war nur weiterer Beleg für dessen Realitätsverlust oder Unverschäm… – nein, ich sag’s nicht. Ich will mich dazu nicht äußern. Andere haben das schon treffend getan.

    Bemerkenswert Erschreckend finde ich dagegen, dass diese Tränendrüsennummer zum Ende auch noch Wirkung zeigt. Die Kommentare unter den Berichterstattungen im Netz sprächen Bände. Speziell dem Sauerländer Völkchen scheint es der Interims-Präsident angetan zu haben. Anders kann ich die Ergüsse auf der Facebook-Seite des heimischen Radiosenders nicht deuten. Ich könnte mich dazu äußern, aber irgendwie lohnt es nicht. Ich lasse die nachstehende Auswahl einfach mal so wirken…

  • Von Revolutionen, dem Web 2.0 und einer Palette Sauerländer Bier

    Die Jusos Saarlouis veröffentlichen seit kurzem einen Newsletter namens „Revoluzzer“. Zugegeben, eine Meldung ist das nicht wert. Die kleine Randnotiz, die dazu jüngst in der Saarbrücker Zeitung erschien, dann aber wieder schon. Die politische Konkurrenz hat’s entdeckt, weiterverbreitet und die Netzwelt lacht. Dumm gelaufen. Zumal die Juso-Pressemeldung kein Wort über eine Revolution verliert. Sofern sich der verantwortliche Redakteur lediglich einen Spaß erlauben wollte, so ist ihm das jedenfalls gelungen.

    Erinnert hat mich die ganze Geschichte irgendwie an eine Sauerländer Ortsgruppe der FDP. Die wollten über das „Web 2.0“ neue frische Wählerschichten akquirieren. Daraus geworden ist dann das: „Twitter Online!“

    Passend dazu demonstrierte ein Sauerländer Brauerei-Imperium, wie (positive) Öffentlichkeitsarbeit funktioniert. Nachdem man vom hausinternen Blog der taz als zunächst als „Gurke des Tages“ bloßgestellt worden war, lieferte die kreative Unternehmenskommunikation in der Wästerstadt umgehend den Beleg dafür, dass Alkohol durchaus eine Lösung sein kann.

    Die Tücken der Öffentlichkeitsarbeit. Mehr sag‘ ich mal nicht…

  • Charlie und die…

    Schokoladenfa… – ääh, Matthäus und das Abenteuerland. Tja, da haben sich die Sauerländer aber schön verladen lassen. Von einem 28-jährigen Möchtegern-Freizeitpark-Besitzer, der das altehrwürdige „Fort Fun“ zum international bedeutenden Fun-Ressort ausbauen wollte.

    Gut, die vollmundige Ankündigung des Schnaps-Dynastie-Sprösslings, dass man allen Ureinwohnern zwischen Ruhr und Valme kostenlosen Eintritt gewähren wolle, hätte einen stutzig werden lassen können müssen. War aber nicht so. Lediglich die Sorge darüber, wie man nun den „freien Eintritt für alle“ organisieren könne, trieb alle um.

    Das ist insofern erstaunlich, da die Sauerländer gemeinhin als bodenständig, etwas scheu gegenüber Fremden, auf jeden Fall aber durchaus kritisch gegenüber allem Neuen (Bat de Bure nit kennt…) gelten.

    Es ist vielleicht verständlich, dass die Bestwiger ihr Glück nach diesem „Paukenschlag“ noch nicht fassen konnten. Trotzdem aber unangenehm, stehen sie doch jetzt als hinterwäldlerische Volltrottel da. Für die „Offiziellen“ hingegen ist es blamabel, sich auf derart billige Art bescheißen verschaukeln zu lassen. Und dass sogar die lokalen Medien bereitwillig mitspielten, ist ein Armutszeugnis.